King Racoon Games, Stranger Things und Grasländer

Felix Mertikat ist für Dragon-Day Fans bereits ein altbekanntes Gesicht. Der Gründer der Firma King Racoon Games ist auch dieses Jahr wieder mit dabei. Dieses Mal gibt Mertikat am Dienstag in der Stadtbibliothek einen Einblick in die Entstehung der Spiele bei King Racoon Games und illustriert im Anschluss live eine Lesung aus Tad Williams‘ Das Reich der Grasländer.

Im Vorfeld hat Felix Mertikat uns bereits von seinen Erfahrungen bei den Dragon-Days und den Next-Frontiers, der Entstehung des diesjährige Dragon-Days Plakates und von seiner Arbeit als Illustrator und Spielemacher berichtet:

Momentan ist noch überall in den Stuttgarter Bahnhöfen das Dragon-Days Plakat zu bewundern, das du entworfen hast. Wie setzt sich das Poster zusammen und welche Bedeutung haben die einzelnen Bestandteile?

Natürlich findet sich ganz groß Eleven auf dem Bild und unten der Mind Flayer, beides als Anspielung auf das diesjährige Thema Stranger Things. Links oben findet sich der Mond als Representation von Tsukuyumi — unserer eigenen Welt, in die wir unter anderem am Dienstag eintauchen werden — und schließlich die Pyramide, die für Tad William‘s Otherland-Reihe steht. Das ganze dann in einer 80er-Jahre Neonästhethik, um sowohl Stranger Things als auch Otherland thematisch zusammenzufassen.

Bei King Racoon Games entwickelt ihr Tabletop-Games und denkt diese Geschichten in Comics und Romanen weiter.Wie kann man sich den Ablauf der Entstehung vorstellen? Ist da zuerst eine grobe Idee für die Story aus der sich das Spiel entwickelt und die dann im Anschluss weitergedacht wird? Oder gibt es von Anfang an eine Story, aus der dann ein Spiel entwickelt wird?

Wir verstehen uns auch gar nicht zu sehr nur als reines Brettspiel Studio, sondern eben als Studio, dass Welten entwickelt. Wir mögen den Gedanken, Brettspiel neu zu denken und durch Comics und Romane zu erweitern.

Bisher hat jedes Projekt dabei seinen eigenen Weg genommen. Bei manchen war zuerst die Idee, bei einem anderen zuerst die Welt da. Bei wieder anderen war zuerst die Brettspielidee am Start, bevor wir weiter in die Ausgestaltung des Themas gegangen sind. Wenn ich also alles zusammenfassen müsste, dann ist es so, dass jedes Projekt, jede Welt, jede Geschichte einen ganz eigenen Projektstart braucht oder gebraucht hat.

Was allen gemein ist, sind viele Jahre Konzeption, Entwicklung und Arbeit. Denn die starke Verflechtung aus Geschichte, Welt und Spielmechanik wird über Monate und Jahre hinweg entwickelt und verfeinert. Und natürlich braucht die Erstellung des Materials, wie Texte, Illustrationen und Spielmechaniken ebenfalls seine Zeit.

Wie bist du auf die Idee gekommen Tsukuyumi – Full Moon Downzu einem Rollenspiel weiterzuentwickeln? Sollte man das Brettspiel kennen beziehungsweise schon einmal gespielt haben, um das Pen-and-Paper, das nächsten Oktober veröffentlicht, wird spielen zu könne?

Bereits 2008 habe ich mit Freunden und Partnern ein Rollenspiel veröffentlicht. Wir kamen selbst nämlich aus dem Bereich Rollenspiel und haben uns erst nach dem Studium und damit fast zehn Jahre später in den Bereich Brettspiel hinein gearbeitet. Also war die Entwicklung eines Brettspiels das eigentlich Neue für uns. Mit der Entwicklung des Rollenspiels kehren wir jetzt quasi zu unseren Wurzeln zurück. Dabei haben Till und Johannes als unser Rollenspielkompetenzteam, einen erheblichen Anteil daran gehabt, dass wir dieses Jahr mit der Arbeit am Rollenspiel begonnen haben.

Man braucht keinerlei Vorwissen, um in die Welt des Rollenspiels Tsukuyumi einzutauchen. Das Rollenspiel wird sogar im Vergleich zum Brettspiel erheblich mehr Informationen über die Fraktion, die Bewohner der Welt und die Welt selbst bereitstellen. Es wird quasi damit zum Grundlagen-Buch für die Welt selbst. Daher könnte man im Gegenteil also sagen: Wer das Brettspiel mag, könnte sich das Rollenspiel Grundbuch holen, um tiefer in die Welt einzutauchen und mehr über die eigenen Lieblingsfraktionen zu lernen. Ob man es denn als Rollenspiel oder vor allem für die Vertiefung nutzt, bleibt also jedem selbst überlassen.

Und noch ein paar letzte Fragen zum Event mit Tad Williams und den Dragon Days:

Live-Zeichnen hört sich wahnsinnig stressig und anspruchsvoll an, wie funktioniert sowas? Befasst du dich davor schon intensiv mit dem Textausschnitt, der vorgelesen wird und sammelst Ideen oder lässt man sich spontan überraschen und entscheidet ganz frei vor Ort während dem Event?

Das ist tatsächlich weniger stressig als man vermuten mag. Sicherlich ist es eine besondere Herausforderung zu zeichnen, wenn einem Menschen über die Schulter schauen, aber daran habe ich mich in den letzten Jahren schon ein wenig gewöhnen dürfen. Im Gegenteil ist es manchmal ganz entspannt zu wissen, dass man kein Kunstwerk erschaffen muss, sondern sich dem Flow und der Improvisation hingeben kann. Natürlich lese ich mir den Textausschnitt bereits vor ab durch und mache mir im Kopf eine ungefähre Idee vom Motiv auf das ich mich einlassen möchte. Dabei war ich mir aber immer ganz viel Freiheit und die Möglichkeit zur Improvisation vor Ort.

Was macht das Dragon Days Festival für dich als erfahrener Dragon Days Teilnehmer aus beziehungsweise wie würdest du das Festival kurz für Neulinge umschreiben? Welcher deiner bisherigen Auftritte bei den Dragon Days hat dir bis jetzt am besten gefallen?

Das Besondere an den Dragon Days ist, dass man niemals ein erfahrener Teilnehmer sein kann, denn wenn ich eines über die Dragon Days gelernt habe, dann, dass jedes Jahr, jede Veranstaltung anders ist als alle davor. Gerade der Gedanke, dass Fantastik so umfangreich ist, wird in diesem Festival aufgegriffen. Tobias kuratiert ja bereits seit Jahren das Festival und dennoch bereitet er den Gästen immer eine besondere und neuartig zusammengestellte Mischung. Dabei kombiniert er Klassiker mit Avantgarde und zeitgenössischer Arbeit.

Auch auf alle meine eigenen Auftritte trifft das Gleiche zu. Jedes Jahr und jeder Auftritt waren etwas ganz Eigenes, Besonderes. Müsste ich mich aber auf eines festlegen, dann würde ich gerne die Steam Noir Abendveranstaltung nennen. Dort hatten wir neben einem Vortrag und einer Interview-Situation, auch noch eine wundervolle Modenschau. Dieser Abend ist mir bis heute in schöner Erinnerung geblieben.

Auch dieses Jahr bist du als Besucher wieder bei den Next Frontiers mit dabei – Was gefällt dir an den Next Frontiers und gibt es ein Programmpunkt oder Thema, auf das du dich dieses Jahr besonders freust?

Letztes Jahr, also beim ersten Mal, hatte ich mit nichts gerechnet und wurde komplett auf den Kopf gestellt. Was Tobias da auf die Beine gestellt hat, hat mich nachhaltig beeindruckt. Nicht nur die eingeladenen Leute, sondern auch die Themen und die Themenfülle sucht seinesgleichen in Deutschland. Diese Vortragsreihe ist wegweisend für den Umgang mit Wissenschaft, Science-Fiction und Utopie, die uns Menschen auf die Zukunft hoffen lässt. Auch die Atmosphäre innerhalb der Gäste spiegelt diesen Willen zum Aufbruch wieder. Ich würde mir wünschen, dass diese Konferenz noch sehr viele weitere Jahre zu sehen sein wird und hoffentlich unzählige Menschen in ihren Bann schlagen wird.

Weitere Informationen zur Veranstaltung mit Felix Mertikat unter: https://www.dragon-days.de/2020/von-king-racoon-games-bis-ins-reich-der-graslaender

Mehr zu King Racoon Games, Tsukuyumi und weiteren Spielen unter: https://www.kingracoon.com/

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