Programm 10. Dragon Days Festival 2021

 

His Dark Materials | Das magische Messer

26. Oktober 2021 | 19.30 Uhr | Stadtbibliothek Stuttgart
mit Stéphane Melchior-Durand und Franziska Burstyn
Comiclesung, Vortrag und Gespräch | Moderation: Björn Springorum | Sprecherin: Isabel Schmier

Philip Pullmans His Dark Materials Trilogie gehört zu den spannendsten Fantasy-Werken der Gegenwart. Ausgehend von einem verfremdeten Oxford, welches in den Verfilmungen und auch der Comicadaption durch seine bildgewaltige Steampunk-Ästhetik hervorsticht, begleiten die Leser und Zuschauer die eigensinnige Lyra in den Norden. Dort trifft sie auf Panserbjørne, wird von den Gobblern in Bolvanger gefasst und landet mit Umweg über eine von Gespenstern bevölkerte Zwischenwelt im Oxford der unseren Welt. Die dæmonenlose Erscheinung Wills, die bei Lyra und ihrem Dæmon Pan zunächst für Entsetzen sorgt, versinnbildlicht eine der genialsten Kreationen in Pullmans Multiversum. Als tierische Verkörperung der menschlichen Seele spielt der Dæmon eine zentrale Rolle im Hinblick auf den mysteriösen Staub, der in Lyras Welt heftige theologische Debatten auslöst. Franziska Burstyn zeigt in ihrem Vortrag, welche Rolle den Dæmonen in der Trilogie zukommt und warum diese Idee eine anhaltende Faszination auf das Publikum ausübt. In der anschließenden Comiclesung gibt die Sprecherin Isabel Schmier den Comicfiguren, die an die Leinwand projiziert werden, eine Stimme. Einblick in die Entstehung des Comics aus der Romanvorlage gibt der französische Autor Stéphane Melchior-Durand im Gespräch mit dem Journalisten Björn Springorum. Parallel zum Gespräch zeichnet der Künstler Lukas Wind ein Bild zur His-Dark-Materials-Reihe.

In Zusammenarbeit mit dem Institut français Stuttgart und der Stadtbibliothek Stuttgart

Eintritt: 4 € | ermäßigt 2,50 €
Reservierungspflicht! E-Mail: karten.stadtbibliothek@stuttgart.de

 

Der Uhrmacher in der Filigree Street

27. Oktober 2021 | 20 Uhr | Innenstadtkinos, Cinema
mit Natasha Pulley und Hanna Wenzel
Gespräch, Lesung mit Live-Zeichnen | Moderation: Björn Springorum | Sprecherin: Barbara Stoll

Natasha Pulley erhielt ein Stipendium der Gladsone’s Library als Writer in Residence. Ihr Debüt »The Watchmaker of Filigree Street«, welches sie im Rahmen der Dragon Days vorstellen wird, gewann den Betty Trask Award und wurde ein internationale Bestseller.
Der Roman erzählt eine mitreißende Geschichte über eine rätselhafte Uhr und einen ebenso spektakulären wie unmöglich aufzuklärenden Bombenanschlag auf Scotland Yard. Das Buch nimmt die Lesenden mit auf eine Reise durch das viktorianische England und das Japan des 19. Jahrhunderts und öffnet Türen in eine ganz andere, seltsame und magische Vergangenheit.
Björn Springorum spricht mit der Autorin über die Entstehung ihrer fantastischen Steampunk-Welt. Barbara Stoll liest aus dem Roman und die Illustratorin Hanna Wenzel zeichnet live dazu passende Bilder, die an die Kinoleinwand projiziert werden.

 

Frankenstein oder der moderne Prometheus

28. Oktober 2021 | 20 Uhr | Merlin
Frankensteinmit Götz Schneyder, Stefan Dinter und Mark Lorenz Kysela
Lesung mit Live-Zeichnen und Geräuschen

Wieder einmal liefert der Sprechtakel-Dienst Dinter & Schneyder einen Klassiker im Rahmen des Dragon Days Festivals: Mary Shelley (1797-1851)

Die Tochter eines Philosophen und einer viel gelesenen Feministin sollte nicht nur mit Ihrem Frühwerk „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ zu der bekanntesten Autorin britischer Fantastik und Romantikliteratur werden; auch ihr unkonventioneller Lebensstil, die Schicksalsschläge und die offen geführte Ehe würden selbst heutzutage einigen Aufruhr in den Medien verursachen!
Es geschah 1816, ein Jahr nach Ausbruch des Vulkans Tambora: Im Jahr ohne Sommer ruft Lord Byron in seiner am Genfer See versammelten Gesellschaft einen Gruselgeschichtenwettbewerb aus. Vor Marys inneren Auge erscheint das Bild eines jungen Wissbegierigen, der aus toter Materie ein lebendiges Wesen erschafft und sich anschließend jeglicher Verantwortung entzieht.
Kaum zu glauben: Dieser spätere Bestseller des allzu menschlichen Monsters auf der Suche nach Liebe und des monströsen Verhaltens der Menschen wird zwei Jahre später in einer kläglichen 500er Auflage anonym veröffentlicht. Wie im letzten Jahr sind wieder die Spontankompositionen von Mark Lorenz Kysela zu hören.

In Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Merlin

6 € (zzgl. Gebühren)8 €
Tickets: merlinstuttgart.reservix.de

 

Margaret Adwood’s Madd Addam

29. Oktober 2021 | 20 Uhr | Linden-Museum

mit Thomas Klingenmaier und Hanna Wenzel
Vortrag, Gespräch und Lesung mit Live-Zeichnen | Sprecherin: Barbara Stoll

Seit den 60er Jahren schreibt die mittlerweile 81-jährige kanadische Autorin Margaret Atwood mit Wut, Witz, Präzision und Tiefenschärfe über Menschen. Sie wird gern verkürzt als feministische Erzählerin eingeordnet – weil es in vielen ihrer Bücher um die Kleinhaltung von Frauen als Funktionen des männlichen Lebens geht, um Normen des Weiblichseins, die dem Beherrschtwerden durch Männer dienlich sind. Doch auch über diesen ungeschönt in den Blick genommenen Bereich hinaus geht es Atwood um Errichtung, Pflege und Sturz von Regeln und Werten, Ritualen und Normen, Belohnungs- und Sanktionssystemen.
Mal nimmt sie das dafür Hier und Jetzt in den Blick, mal denkt sie voraus, so wie in ihrem bekanntesten Werk, der zu Film und Serie gewordenen Dystopie „Der Report der Magd“. Auch ihre MaddAddam-Trilogie „Oryx und Crake“, „Das Jahr der Flut“ und „Die Geschichte von Zeb“ spielt in einer postapokalyptischen Zukunft. Hier ist vieles neu und manches vertraut. und Atwood geht auch hier großen Fragen nach: wie Gesellschaften ihre Wertesysteme bauen und durchsetzen, wie Religion, Sprache und Pragmatik zusammenhängen, wie Kultur entsteht, wie Rollenzuweisungen und Klasseneinteilungen funktionieren und wie mächtig und ohnmächtig die Werkzeuge der Kommunikation sein können.
Mit einer Lesung mit Live-Zeichnen aus der „Geschichte von Zeb“ und einem Vortrag und Gespräch mit dem Stuttgarter Kulturjournalisten Thomas Klingenmaier wird das der wissenschaftlich inspirierten Fantastik angehörende Spätwerk der Nobelpreiskandidatin auf die Fragen und Antworten abgeklopft, die es in einer Epoche radikaler Umbrüche anzubieten hat.

Margaret Atwood: Die Geschichte von Zeb. Übersetzt von Monika Schmalz
© der deutschen Ausgabe: 2014 Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH, Berlin und München

In Zusammenarbeit mit dem Linden-Museum Stuttgart

 

 

Ready to Play Utopia | Vom Potential virtueller Spielplätze

30. Oktober 2021 | 20 Uhr | Literaturhaus Stuttgart
mit Hanns Christian Schmidt und Robin Wenk
Vortrag, Gespräch und VR-Erlebnis | Moderation: Eva Wolfangel

Armut, Massenmigration, Klimawandel, Energiekrise, Pandemien, „Hunde und Katzen leben miteinander, Massenhysterie!“ – viele drängende Probleme unserer Zeit sind in der dystopischen Welt von READY PLAYER ONE bereits geschehen und haben den Erdball für die meisten Einwohner zu einem trostlosen Ort gemacht. Nur gut, dass es da die OASIS gibt, eine nahezu perfekte Virtual Reality-Utopie, die die Menschen von ihrer Misere ablenkt und in der sein Erfinder den milliardenschweren Schlüssel zu seiner Erbschaft versteckt hat. Bei so viel Zeitgeist überrascht es nicht, dass der Roman kurz nach seinem Erscheinen zu einem internationalen Bestseller avancierte und von Steven Spielberg verfilmt wurde. Jedoch wurde dem Buch im Nachklapp auch häufig vorgeworfen, dass es eigentlich nur ein a-politscher „Nerdgasm“ sei: eine dichte (und etwas schlichte) Collage aus Teenagerträumen, die sich aus Machtfantasien und oberflächlichen populärkulturellen Referenzen der 80er Jahre zusammensetzt. Also auch in der VR-Utopie nichts Neues? Nicht ganz. Ein genauerer Blick zeigt: Das, wovon die „Menschen seit Jahrzehnten geträumt hatten, die virtuelle Realität, die ihnen schon so lange versprochen worden war, ein Holodeck für zu Hause“ – das ist nicht nur ein eskapistischer Zufluchtsort in die Imagination, sondern kann auch gleichzeitig als eine Blaupause für eine bessere Welt gelesen werden. Und als Utopie weist sie uns – zumindest potentiell – auf Wege hin, die zu einer gerechteren Gesellschaft führen können.
Die Keynote von Dr. Hanns Christian Schmidt begibt sich auf eine Suche nach dem politischen Potential des virtuellen Spielplatzes, auf den uns READY PLAYER ONE einlädt. Präsentiert wird dabei ein transmedialer Querschnitt aus einflussreichen Virtual Reality-Darstellungen, die utopische Züge aufweisen. 
Im Anschluss stellt Robin Wenk das von seiner Firma Lightshape selbstentwickelte Holodeck vor. Er ist außerdem Mitgründer der XR Expo, die sich seit 2017 als eine der führenden Fachveranstaltungen für Extended Reality etabliert hat.
Im Gespräch mit der Technologie-Journalistin Eva Wolfnagel gehen der Medienkulturwissenschaftler und der VR-Experte der Frage nach, wie sich die Virtuelle Realität in Zukunft entwickeln und die Gesellschaft beeinflussen könnte.

In Zusammenarbeit mit der MFG Baden-Württemberg

Die Teilnahme ist kostenfrei
Anmeldung unter: mfg.de/veranstaltungen